Sanieren Sie Ihr altes Haus gemäß EnEV? Dann sollten Sie aufpassen, dass Sie den Charme des Alten nicht zerstören. Lesen Sie in den nächsten Zeilen, welche Sünden Sie begehen können, wenn Sie eine betagte Bestandsimmobilie sanieren wollen.

Alte Häuser wollen nicht modern sein.

Zugegeben, die Überschrift ist etwas provokativ. Alte Häuser wollen zwar nicht wie ein zu aktueller Zeit gebautes Haus aussehen, dennoch lässt sich die Moderne durchaus mit dem Alten verbinden. Aber: Leider nimmt man alten Häusern immer wieder den Charme ihrer Zeit, um sie den veränderten Ansprüchen anzupassen. Das kann ein schlimmer Fehler sein. Wir beschäftigen uns mit ein paar Todsünden, die Sie im Zuge der Sanierung eines alten Hauses, vornehmlich vor 1900 gebaut, begehen können.

Sünde Nummer 1: Der Charme der Zeit.
Sehr alte Häuser wurden damals noch in echter Handarbeit errichtet. Da konnte es schon mal vorkommen, dass Wände nicht wirklich im rechten Winkel zueinander verliefen oder gar vollkommen im Lot waren. Elektronische Hilfen für das Einmessen eines Hauses hat es nicht gegeben. Die Profis damaliger Zeit haben nach „Augenmaß“ gebaut. Eine nicht absolut gerade Wand wurde auch nicht durch den Putz begradigt, wie es heute im Ernstfall wäre. Nein: Man hat den Putz mit einer Kelle aufgetragen und ist ganz klar den Konturen der Wand gefolgt, das heißt: Ein Bogen in der Wand war auch mit Putz noch als Bogen zu erkennen. Heute würde man solche vermeintlichen Fehler mit modernem Werkzeug einfach ausgleichen. Stellt sich die Frage: Muss das bei einem so alten Haus unbedingt sein? Macht nicht gerade die Unvollkommenheit den Charme der Zeit aus? Und: Für welche Zeit steht das Haus? Ist es wichtig, die Wand eines alten Hauses zu begradigen? Wohl kaum. Also: Erhalten Sie doch einfach den Charme der Zeit. Alte Häuer leben dadurch.

Umbau oder Sanierung: Vermeidbare Sünden.

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Sünde Nummer 2: Braucht es so viel Dämmung?
Die Sanierung eines alten Hauses folgt in der Regel den Vorgaben der EnEV, der EnergieEinsparVerordnung. Die sieht als eine Maßnahme der energetischen Sanierung die nachträgliche Dämmung der Gebäudehülle vor. Jetzt kommt die Frage an das Gewissen: Wenn Sie ein altes Haus aus der Zeit vor 1900 besitzen und es sanieren wollen: Wo würden Sie dämmen? Die meisten kämen umgehend auf die Fassade. Keine Frage, aber: Wenn Sie die Fassade dämmen, müssen Sie alle anderen relevanten Bauteile ebenfalls auf den neuesten Stand der Technik und des Wissens bringen. Der Grund: Das Haus ist sozusagen ein Team aus verschiedenen Playern, sprich: Jede Komponente arbeitet im Zusammenspiel mit den anderen. Fenster, Türen, Fassade, Dach, etc. Bringen Sie ein Bauteil auf modernen Stand, verträgt es sich in der Regel nicht mit den anderen noch nicht sanieren Bereichen.

Eine wichtige und richtige Maßnahme ist die Dämmung der oberen Geschossdecke, bitte gemäß aktueller Ausführungsregeln, also Dampfsperre unter die Dämmung, Dämmung zwischen die Sparren und fertig. Decken Sie die Dämmung anschließend nicht mit gewöhnlicher Folie ab, sonst verfault Ihnen der Dämmstoff. Alle anderen Dämmarbeiten sollten Sie sich überlegen. Oft reicht es bereits, das Mauerwerk des Hauses von Feuchtigkeit zu befreien, um den Wärmeenergiebedarf deutlich zu reduzieren.

Bitte beachten Sie, dass wir hier nicht gegen eine energetische Sanierung schreiben. Diese Ratgeber stellen lediglich Aspekte dar, über die Sie vor einer Sanierung eines so alten Gebäudes nachdenken sollten. Jünger Häuser gehören freilich energetisch fachgerecht saniert.

Weitere vermeidbare Sünden bei der Sanierung eines alten Hauses beschreiben wir im nächsten Beitrag.